Stricken und Häkeln sind für mich definitiv Hobbys für das ganze Jahr. Aber es stimmt schon, dass wir nicht immer einen Berg Wolle auf dem Schoss haben wollen – und bei einer Hitzewelle wollen wir ganz sicher keine dicken, flauschigen Pullover tragen. Beim Sommerstricken geht es also nicht nur darum, etwas mit kurzen Ärmeln zu stricken; in den wärmeren Monaten greifen wir eher zu einer anderen Art von Garn, nicht nur zu einem anderen Modell.
Meistens sind das Pflanzenfasern – hier haben Baumwolle, Leinen und Hanf ihren grossen Auftritt. Aber auch Seide ist ein starker Anwärter, ebenso wie Bambus und andere Viskosefasern. All diese Fasern haben bestimmte Eigenschaften gemeinsam, die sie von Wolle unterscheiden; es lohnt sich zu verstehen, wie sie sich verhalten und wie du das Beste aus ihnen herausholen kannst. Der Einfachheit halber verwende ich „Baumwolle“ als Sammelbegriff für „alle typischen Sommergarne“. Obwohl sie nicht alle identisch sind, ist ihr Verhalten ähnlich genug, damit das funktioniert – ich werde aber im Laufe des Textes auf einige Unterschiede eingehen.

Baumwolle vs. Wolle: weniger Sprungkraft, mehr Gewicht
Der offensichtlichste Unterschied ist, dass Baumwolle und ähnliche Materialien – wie die meisten Strickerinnen schnell feststellen – weitaus weniger elastisch sind als Wolle. Ausserdem sind sie meist dichter, was dazu führt, dass das fertige Kleidungsstück schwerer wird. Das bedeutet, dass du einen tollen Fall bekommst, aber der grosse Haken ist: Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dein Kleidungsstück nach dem Waschen ausleiert, besonders wenn es mit grösseren Nadeln gestrickt wurde.
Wenn du diese Art von Überraschung vermeiden willst, solltest du Folgendes tun:
– Strick zunächst ein besonders grosses Maschenprobe (mindestens 20 cm pro Seite), miss es aus, wasch es und häng es zum Trocknen auf. Miss es dann erneut und vergleiche die Masse mit den vorherigen, um zu sehen, ob es gewachsen ist. Das vermittelt dir zwar keinen besonders genauen Eindruck davon, wie sich das fertige Stück verhalten wird (ein grösseres Strickstück dehnt sich wahrscheinlich stärker aus als selbst eine grosse Maschenprobe), aber es könnte dir bei der Planung helfen.
– Wähle vielleicht eine kleinere Nadel als deine erste Wahl; Strickarbeit mit eher feste Spannung behält ihre Form besser.
– Ziehe in Betracht, dein Kleidungsstück etwas kürzer zu machen, als du es normalerweise tun würdest. Die horizontale Ausdehnung ist weniger problematisch, aber die Schwerkraft kann im Laufe der Zeit durchaus ein paar Zentimeter hinzufügen, besonders nach dem Waschen.
– And of course, don’t hang your garment up to dry or store it! Always dry flat to prevent stretch. (Ehrlich gesagt gilt das für alle Strickwaren, aber bei diesen Garnen wäre das Aufhängen noch verheerender.)
Wähle Muster, die Baumwolle dienen, statt ihr entgegenzuwirken
Traditionelle Strickstile aus kalten Regionen – Fair-Isle-Farbmuster, Aran-Zöpfe und Ähnliches – nutzen die natürlichen Eigenschaften von Wolle optimal aus. Bei Baumwolle solltest du also den umgekehrten Weg gehen.

Farbe: Halte es einfach!
Baumwolle eignet sich aus zwei Gründen schlecht für mehrfarbiges Stricken: Erstens ist es aufgrund der mangelnden Elastizität viel schwieriger, die nötige gleichmässige Spannung zu erzielen. Und zweitens fehlt Baumwolle der raue Flaum, der den Maschen hilft, aneinander zu haften, was bedeutet, dass es an den Farbwechseln leicht zu Lücken kommen kann.
Such nach anderen Möglichkeiten, Farbe in deine Arbeit zu bringen – und das mit nur einem Garn pro Reihe. Streifen funktionieren natürlich (denk nur an die klassischen bretonischen Oberteile: Was könnte sommerlicher sein!), aber auch Mosaikmuster, Leinenstich und andere Tricks mit verschobenen Maschen. Oder probier doch mal Colour Blocking aus. Ich habe in diesem Ravelry-Bundle ein paar tolle Ideen zusammengestellt, um dich zu inspirieren.
Muster mit verschobenen Maschen haben bei Baumwolle noch einen weiteren Vorteil: Sie verleihen Struktur und wirken der Neigung zum Ausleiern entgegen. Das Gleiche gilt fürs Häkeln! Auch hier ist es bezeichnend, dass die Handwerkstraditionen wärmerer Länder, in denen Häkeln bevorzugt wird, so gut zu Sommergarnen passen.
Textur sieht toll aus, aber vermeide Zöpfe
Das Gleiche gilt für die Struktur: Wähle lieber Kombinationen aus rechten und linken Maschen statt Zopfmuster. Zopfmuster kommen bei der elastischen Struktur von Wolle am besten zur Geltung und machen das Strickstück zudem deutlich schwerer – was bei dichten Garnen nicht ideal ist. Ich kannte jemanden, der einen wunderschönen, grob gestrickten Zopfmusterpullover aus reiner Baumwolle hatte … Sie erzählte mir, dass sie ihn immer in den Trockner steckte, um das eingehen zu lassen, aber am Nachmittag hing er schon wieder bis zu den Knien.
Es gibt eine Ausnahme von dieser Regel. Dünnere Baumwollgarne können wunderschön mit wandernden Zöpfen verarbeitet werden, die nicht breiter als 2 Maschen sind – also 4-Maschen-Kreuzungen – die sich über den Stoff bewegen, anstatt eine einzelne Säule zu bilden. Aber ich würde diese Technik nicht für Nadelstärke über höchstens 3.5 mm empfehlen.
Einfache Strick- und Linksmaschen-Strukturen hingegen bringen die natürliche Knackigkeit von Baumwolle optimal zur Geltung. Licht und Schatten sorgen für eine interessante Oberfläche, ohne den Fluss deines Stoffes zu stören. Oder füge eine Spitzenbordüre hinzu, um ein schlichtes T-Shirt im Glattstrick aufzuwerten.
Was ist mit Lochmuster?
Und genau hier kommen Seide und Leinen zur Geltung! Auch wenn ihnen das „Gedächtnis“ der Wolle fehlt, lassen sich diese Fasern gut spannen. Vor allem Leinen durchläuft dabei eine dramatische Verwandlung: Spanne einen Leinen-Schal, und er wird zu einem glatten, fliessenden Wunderwerk. Ein schimmernder Seiden-Schal ist natürlich so ziemlich das Beeindruckendste, was man stricken kann. Aber Baumwolle?
Baumwolle lässt sich nicht gut in Form bringen. Deine aufwendige Spitze wird unter der Schwerkraft einfach in sich zusammenfallen. Lass es lieber bleiben. Also noch einmal: Halte es einfach – verseh ein Baumwoll-T-Shirt mit einer Spitzenborte oder stricke ein hübsches, aber einfacheres Lochmuster.
Es scheint eine goldene Regel für Sommerstrick zu geben: Nimm es locker. Passt das nicht einfach perfekt zu heissen, faulen Tagen?