Du liebst Wolle und sparst gerne Zeit, also willst du wahrscheinlich die maschinenwaschbare Variante wählen – oder etwa nicht?
Andererseits hast du vielleicht gehört, dass Superwash-Wolle im Grunde mit Kunststoff beschichtet ist, und du magst Kunststoffe wirklich nicht, also willst du sie um jeden Preis vermeiden. Aber ist das richtig?
Eigentlich ist das alles etwas komplizierter. Beide Optionen haben ihre Vorzüge (und ehrlich gesagt nichts, was man hassen könnte). Schauen wir uns das genauer an.

Zwei schöne Merinogarne…
was ist da der Unterschied?
Was bedeutet die Superwash-Behandlung eigentlich?
Tierische Wolle hat, genau wie menschliches Haar, Schuppen entlang der Haarfollikel. Diese winzigen Schuppen sind für viele natürliche Eigenschaften der Wolle verantwortlich: zum Beispiel für ihre Elastizität, aber auch für ihre Neigung, in der Waschmaschine zu schrumpfen und zu verfilzen. Da sich nur wenige Menschen über die Anweisung „nur Handwäsche“ freuen, haben Garnhersteller intensiv nach Möglichkeiten gesucht, diese Schuppen zu behandeln und das Einlaufen zu verhindern.
Die gängigste „Superwash“-Behandlung ist das Chlor-Hercosett-Verfahren: Zunächst werden die Schuppen mit einer chlorhaltigen Lösung abgetragen, anschließend wird ein Polymerharz (Hercosett 125) aufgetragen, um die Oberfläche zu glätten.
Das heisst, es gibt drei Bereiche, die aus Umweltsicht bedenklich sind: mögliche Verschmutzung durch Chlor, hoher Wasserverbrauch und das Polymer. Allerdings ist diese „Kunststoffbeschichtung” bei weitem der am wenigsten besorgniserregende Teil. Es handelt sich um dasselbe Material, das auch in Haushaltsprodukten wie Teebeuteln und Papierhandtüchern verwendet wird; es ist nicht giftig, und Garn macht nur einen sehr kleinen Teil des weltweiten Hercosett-Verbrauchs aus.
Sorgfältige Untersuchungen haben auch gezeigt, dass superwash-behandelte Wolle keine Mikroplastik abgibt – und sogar schneller biologisch abbaubar ist als unbehandelte Wolle.
Die Gesamtwirkung der Superwash-Behandlung hängt wahrscheinlich am meisten davon ab, wo das Garn hergestellt wird, weil verantwortungsbewusste Produktionsstätten ihr Abwasser ordentlich behandeln (und gut regulierte Länder dafür sorgen). Unsere Lieferanten zeigen alle ein starkes Engagement für den Umweltschutz. Insgesamt sind die Umweltauswirkungen der meisten Superwash-Wolle wahrscheinlich nur ein kleiner Teil deines gesamten Haushaltsverbrauchs, und es gibt keine giftigen Auswirkungen.
Wie wirkt sich das auf das Garn aus?
Die Veränderung der Struktur der Wollfasern hat natürlich Auswirkungen auf die Beschaffenheit des Garns – darum geht es ja gerade! Wie wirst du diesen Unterschied spüren?
Die Reduzierung der Schuppen bedeutet eine Verringerung der natürlichen Pufferwirkung der Wolle: Sie wird etwas dichter. Sie verliert möglicherweise etwas an Wärme und Wasserfestigkeit, was jedoch in den meisten Fällen kaum ins Gewicht fällt. Durch das Glätten der Oberfläche wird sie etwas glänzender und, nun ja, glatter! Wenn du empfindlich auf tierische Fasern reagierst, fühlt sich Superwash für dich vielleicht weniger kratzig an. Superwash verliert auch etwas von der natürlichen Elastizität der Wolle, sodass du statt auf das Einlaufen auf das Ausleiern achten musst. Und der Verlust der Griffigkeit, die zum Verfilzen führen kann, bedeutet auch, dass du die Zahnigkeit verlierst, die so gut dazu beiträgt, die Maschen bei Farbmustern zusammenzuhalten. Auf der anderen Seite gewinnt man eine fast seidige Qualität: Superwash ist nicht nur etwas glatter und glänzender, sondern sorgt auch für einen besser fallenden Stoff.
Ein letzter Unterschied: Superwash ist bei Handfärbern aus gutem Grund beliebt. Es nimmt Farbe hervorragend auf, besonders wenn es um raffinierte Techniken wie Sprenkel geht. Natürliche Wolle liefert einfach nicht die gleichen Ergebnisse.
Hier ist ein kurzer Vergleich der jeweiligen Vorteile:
Superwash Wolle:
+ fühlt sich glatter an
+ dichter
+ toller Fall
– kann beim Waschen wachsen
Unbehandelte Wolle:
+ fühlt sich wolliger an
+ elastischer
+ ideal für Farbstrick und Struktur
– kann einlaufen und verfilzen
Aber wie sieht es mit der Waschbarkeit aus? Ist das nicht ein wirklich wichtiger Faktor?
Ehrlich gesagt? Vielleicht nicht. Ich verstehe, dass man sich einfaches Waschen wünscht, wirklich! Aber auch Superwash braucht Pflege.
Alle deine Strickwaren sollten mit Sorgfalt behandelt werden, denn handgestrickte Stoffe sind einfach nicht so robust und widerstandsfähig wie industriell hergestellte Stoffe (oder zumindest nicht auf die gleiche Weise). Eine grobe Behandlung in der Maschine führt vielleicht nicht zum Einlaufen deines Kleidungsstücks, aber es könnte seine Form verzerren – vor allem angesichts der Neigung von Superwash-Wolle, sich zu dehnen. Und denk dran, Wolle muss eigentlich gar nicht so oft gewaschen werden, weil sie von Natur aus gegen Bakterien und Gerüche resistent ist. Fleckenreinigung und regelmässiges Lüften reichen fast völlig aus. (Schau dir mal dieses Video von Knitting for Olive an, um zu sehen, wie gut ihre Merinowolle den Strapazen des Alltags mit Kleinkindern standhält!)
Seit vielen Jahren wasche ich alle meine Strickwaren auf genau die gleiche Weise: in der Maschine, im Wollwaschgang „Handwäsche” (bei höchstens 20 Grad). Achtung, das ist nicht immer zuverlässig. Es hängt von deiner Maschine ab; ich kenne Leute, deren Maschinen sie im Stich gelassen haben.
Letztendlich ist das „beste“ Garn immer das, das am besten zu deinem Projekt passt. Wenn du zum Beispiel für die Kinder anderer Leute strickst (und du nicht die Wäsche machst), ist Superwash wahrscheinlich die sicherste Wahl! Wenn du aber einen traditionellen Fair-Isle-Cardigan stricken willst, ist unbehandelte Wolle dein bester Freund. Das sind einfach zwei verschiedene Optionen mit unterschiedlichen Vorteilen. Viel Spass beim Ausprobieren der Möglichkeiten.
Weiterlesen:
Clara Parkes, The Knitter’s Book of Yarn
Jillian Moreno, “Superwash part 2: How do they do that?” auf Modern Daily Knitting
Anne Vally, “The truth about superwash yarn” auf Knit Together (with carefully cited sources!)